Lausige Zeiten

Was sind das für lausige Zeiten?
Fast nirgends herrscht Frieden und Glück.
Die ganz großen Mächte, sie wüten und streiten
und lassen nur Tote und Scherben zurück.

Was passiert nur auf diesem Planeten?
Rings um uns tobt Irrsinn und Krieg,
im Namen des Geldes und des Propheten,
für Einfluss, Aufstieg, Dollar und Sieg.

So treiben durch aller Herrn Länder
die Trecks aus Verzweiflung und Angst.
Sie setzen auf hilfreiche Spender
und ahnen nicht, wie Du bangst.

Sie kommen in Bussen, in Zügen,
mit Rädern, in Booten, zu Fuß.
Und wenn sie beim Herkunftsort lügen,
dann doch nur, weil es jetzt mal sein muss.

Sie wohnten auch mal in Häusern,
mit Gärten mit Bänken und Wein.
Zerbombt. Abgezockt von gierigen Schleusern,
sind sie heimatlos und allein.

Komm, geben wir ihnen bei uns eine Chance,
komm helfen wir, dass sie nicht frieren.
Das kostet uns zwar die gewohnte Balance,
doch bleibt die, wenn wir unsre Herzen verlieren?

Geflüchtet sind viele Millionen,
Männer, Kinder und Frauen.
Ihre Heimat liegt in Regionen,
in die sie sich nicht mehr trauen.

Welchen Gott sie auch immer verehren,
welche Werte ihr Leben geprägt,
sie mussten so vieles entbehren.
Das Wollen ist das, was uns trägt.

Eingepfercht in Aufnahmelager,
zum Müßiggang endlos verdammt.
Verpflegt nur sporadisch, notdürftig, mager.
Perspektiven: sind nicht bekannt.

Was sind das für lausige Zeiten?
Fast nirgends herrscht Frieden und Glück.
Die ganz großen Mächte, sie wüten und streiten
und lassen nur Tote und Scherben zurück.

Was passiert nur auf diesem Planeten?
Rings um uns tobt Irrsinn und Krieg,
im Namen des Geldes und des Propheten,
für Einfluss, Aufstieg, Dollar und Sieg.

Du Da

Jetzt bist Du da. Bei mir, nicht irgendwo.
Wir sind uns nah, das macht mich froh.
Noch ganz viel Zeit wünsch ich mir mit Dir.
Sind wir zu zweit, dann gieren wir.

Du spürst das auch: Diese Flut von Gier;
Kribbeln im Bauch, Mut, Glut, bist Elixier.
Du fühlst wie ich, Dich schmerzt mein Schmerz.
Ich fühle Dich, mich herzt Dein Herz.

Wie war es schön das letzte Jahr.
Nichts war obszön, alles war klar.
Mich trifft Dein Blick, ich spür den Kuss.
Das ist der Kick: Genuss im Überfluss.

Du sagst zu mir: Wie´s wird, so sei´s.
Lass mich nicht hier. Und flüsterst leis´:
Lass uns jetzt fahrn direkt ans Meer.
Weder Gefahren noch …bedrohen uns mehr.

Wir sind jetzt dort, sind raus geschwommen.
Was für ein Ort, um anzukommen!
Wir treiben Richtung Okzident in dieser lauen lichten Weite.
Wär das jetzt unser End, es käm zur falschen Zeite.

Denn Du bist da. Bei mir, nicht irgendwo.
Wir sind uns nah. Das macht mich froh.

Reichtum

1)Welch unendliche Armut an Güte, welcher irre Reichtum an Gier.
Es unterscheiden sich nur die Hüte, im eitlen Dasein des Hier.
Mein Frohmut ging und verglühte. Er spürte, dass ich verlier.
Vergebens, dass ich mich mühte. Enttäuschung als Souvenir.

a)Wie banal wir doch alle denken.
Welche Dinge uns wichtig sind.
Man kann dann nichts verschenken,
wenn man giert wie ein hungriges Kind.

2) Was soll ein Kind von Eltern lernen, die selber keine Chance mehr sehn?
Die sich vom Bildschirm nur entfernen, um nach dem nächsten Bier zu gehn?
Sie träumen nicht mehr von den Fernen. Bei ihnen kann nichts mehr schief gehn
Wozu bewerben in Konzernen? Sie sind doch keine Koryphäen.

b)Ich melde mich jetzt traurig ab,
was immer mich zu brachte.
Ich seh auf niemanden herab,
ich geh ganz einfach sachte.

3) Und wie soll einer Arbeit schätzen, wenn er als Stütze so viel kriegt,
wie auf den billigen Arbeitsplätzen, die´s nur dann gibt, wenn einer fliegt?
Satte Beamte hör ich schwätzen, dass es an jedem selber liegt.
Ich hör die Sprüche mit Entsetzen, denn Ignoranz hat hier gesiegt.

instrumental

4)Was wirklich zählt, muss jeder wissen. Die meisten zählen auf das Geld.
Sie scheren sich nicht ums Gewissen, das gibt’s nicht in ihrer Welt.
Welch billige Prämissen: Einfach machen, was gefällt.
Moral kann nur vermissen, der nicht vor Geiz und Gier entstellt.

a)Wiederholung Refr. a)

b) Wie schamlos wir uns doch betrügen,
die wir den eignen Vorteil sehen.
Der Neid verleidet das Vergnügen,
Missgunst kann nicht widerstehen.

c)Wiederholung Refr. b)

Lass es nie vergehen

Dieser Sommer braucht nicht Wärme, dieser Sommer heizt die Lust.
Diese Wochen reifen Reben in der Hitze des August.
Liebend Paare zeugen Leben, seifen sich in wilder Wonne.
Frösche quaken in den Tümpeln, Anemonen tanken Sonne.

Deine weiche Haut verführt mich, duftet nach Melissenkraut.
Deine Lippen wirken sinnlich; fühlen uns wahnsinnig vertraut.
Dieses wunderbare Kribbeln, dieses irre Lustgefühl,
dieser Zauber, diese Freude, dieses Gliedmaßengewühl.

Liegen keuchend auf den Rücken, aalen uns in Seligkeit.
Streicheln unsre nassen Körper, denken nicht mehr an die Zeit.
Sind jetzt nur noch füreinander, für den liebsten Menschen da.
Wissen, dieses hier ist Wahrheit, und ganz fern ist Golgatha.

Lass es nie vergehen.
Lass es bleiben, lass es stehen.
Lass uns treiben, nicht zerreiben,
machen wir uns das Glück zueigen.
Lass uns übrigbleiben.
Wenn sie gehen, lass uns flehen,
dass Vergänglichkeit uns schone,
Liebe allem innewohne.
Lass uns solches Glück für immer, lass uns dieses Paradies.
Lass uns hier im Paradies.

Denke an die alte Laube hinterm Spielplatz in dem Garten,
die so ganz nach Kindheit roch und nach jahrelangem Warten.
Wie gefesselt war die Nase von dem Duft der vielen Dinge;
wo zum Schatz wurd jede Schraube, von denen ich auch heut noch singe.

Niemals werd ich es vergessen: Diesen ganz besondren Raum,
dieses Knirschen, dieses Knacken, den Schlag von Ästen aus dem Baum;
wie der staubige Pittiplatsch traurig an dem Balken hing,
ich ihn holte, sauber wischte und mit ihm nach Hause ging.

Nahm ihn abends in mein Bettchen, drückte ihn ganz fest an mich.
Gab ihm einen Gute-Nacht-Kuss, fühlte mich ganz ritterlich.
Oben flog das Raumschiff Wostok, neben mir schlief dieser Bub,
aus der Laube in dem Garten, mein ganz eigener Cherub.

Lass es nie vergehen…

Hauptsache Heimat

Erst waren es 100. Dann kamen 5.000;
im Monat, pro Woche und schließlich am Tag;
zu Fuß über Grenzen, quer durch ganz Europa.
Vertrieben, geschändet, missbraucht und verzagt.

Für viele sind´s Fremde, gelockt aus Gebieten,
mit anderem Glauben und ferner Kultur.
Man fürchtet Verluste von Rente und Wohlstand,
von Deutschtradition und gewohnter Struktur.

Man sieht, wie Nachbarn ihre Grenzen vermauern.
Und meint, das wäre auch hier ´ne Option.
Hauptsache Heimat: „Refugees not welcome!“
Ganz andere wissen: Wir schaffen das schon…

Da definiert man schon Angst als Rassismus
und charakterisiert Skepsis als „rechts“.
Moralisch integer vertieft man beflissen
die abgründige Kluft des verbalen Gefechts.

Was soll ich bloß denken?
Wem soll ich glauben?
Was soll ich fühlen?
Was soll ich tun?

Soll ich es wagen, eine Meinung zu sagen?
Seltsames Irren: Verstand und Gefühl…
Handle ich ehrbar oder nur Nolens volens?
Versag ich, entsag ich? Verstand und Gefühl?

Ich frag mich, ist denn nur das noch moralisch:
Zu rufen: Willkommen, wie viel Ihr auch seid!
Egal, was es kostet, irgendwie wird´s schon werden.
Egal, was Euch treibt, wir stehen bereit.

Doch wollen wir ernsthaft die Grenzen verschließen?
Und Menschen abweisen, die auf der Flucht?
Vor Dschihad und Terror, vor Armut und Hunger?
Wie lebt sich´s im Kokon, extrem gut betucht?

Wer bleibt auf der Strecke, wer sitzt vorn im Cockpit?
Wohin führt uns die Zeit und wer ist im Recht?
Was alles macht Heimat und ist Leitkultur Bullshit?
Wem folgt man am besten und wer ist nur schlecht?

Wahrscheinlich doch der, der Hass offenbart,
und Meinung und Menschen pauschal diffamiert.
Eher der schlauere Wisser als der ängstliche Schisser.
Extreme ganz rechts und ganz links sind borniert.




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