Krieg in den Köpfen

Vor achtundzwanzig Jahren im September,
da gings mir fast genauso wie zur Zeit:
Gereizte Stimmung, Ungeduld und Angst;
auch Wehmut, Ohnmacht, Wut und Nüchternheit

Was soll jetzt kommen, schafft man´s, bleibt es friedlich ohne Stress,
oder schlagen wir uns selbst die Köpfe ein?
Die Straßen waren voll, Plakate hielten wir im Arm,
Wir sind das Volk und wollten es auch sein.
Wir wollten doch nichts anderes, als frei sein…

Doch jetzt herrscht Krieg. Krieg in den Köpfen.
Und gestorben, gestorben wird da auch.
Man setzt auf Sieg. Sieg durch Erschöpfen.
Es geht nicht mehr um weißen Rauch.

Die Einen rufen laut: Seid uns willkommen!
Die andern beten, es sei abwendbar,
dass ihnen ein Stück Heimat weggenommen,
mehr als nur n Stückchen Einkaufsboulevard.

So viele wollen einfach endlich kosten, wie es schmeckt,
wenn man sich nicht um alles sorgen muss.
Dem Fremden zollen manche nicht immer nur Respekt.
Wohlstandssehnsucht führt zu viel Verdruss,
Müßiggang erzeugt da Überdruss.

Jetzt herrscht Krieg…

Die Guten bleiben tapfer die Hüter der Moral,
auch wenn es ihnen sichtlich schwerer fällt.
Zig Tausend Einzelfälle machen noch lang keinen Skandal.
Wer Waffen liefert, hat sich das bestellt

Kritik wird pauschalierend als Rassismus diffamiert,
wer einen meint, schließt andere mit ein.
Empörte schweigen besser, sind innerlich brüskiert.
Sonst tituliert man sie noch Nazischwein.
Und rechtsextrem will wahrlich niemand sein.

Ditzen

Am Grab Rudolf Ditzens hoch über dem See
steh ich und lausche dem Wind.
Ich atme tief ein und rieche die Zeit
und spür, wie vergänglich wir sind.

Das Wasser türkisblau, die Buchen smaragdgrün,
die Wiesen sandgelb verdorrt:
Dank ich Gott dafür, dass ich das verdient;
dass ich sein darf an diesem Ort.

Ach, Leben, mach noch nicht Schluss.
Bleib bitte treu mir noch lang.
Dies, eben, hier ist purer Genuss.
Ist zugleich Yin und Yang.

Die Kiefer am Grab hat schon Blitzen getrotzt,
gleichwohl trieb sie wieder neu aus.
Ich fass´ ihren Stamm und taste die Narben.
Ich brauche nicht mehr hoch hinaus.

Der Föhn von dort unten, vom schmalen Luzin,
kommt mir sonderbar unwirtlich vor.
Die Gräser am Grabstein beugen sich ihm.
Was steht mir wohl noch bevor?

Ist zugleich Hans im Glück und Pferd „Falada“,
das enthauptet die Wahrheit ausspricht,
bis der betrog´nen Prinzessin Recht widerfährt.
Ach bliebe dem Recht nur die Pflicht.

Der Föhn von dort unten, vom schmalen Luzin,
kommt mir sonderbar unwirtlich vor.
Die Gräser am Grabstein beugen sich ihm.
Was steht mir wohl noch bevor?

Am Grab Rudolf Ditzens hoch über dem See
steh ich und lausche dem Wind.
Ich atme tief ein und rieche die Zeit
und spür, wie vergänglich wir sind.

Das Wasser türkisblau, die Buchen smaragdgrün,
die Wiesen sandgelb verdorrt:
Dank ich Gott dafür, dass ich das verdient;
dass ich sein darf an diesem Ort.

Reichtum

1)Welch unendliche Armut an Güte, welcher irre Reichtum an Gier.
Es unterscheiden sich nur die Hüte, im eitlen Dasein des Hier.
Mein Frohmut ging und verglühte. Er spürte, dass ich verlier.
Vergebens, dass ich mich mühte. Enttäuschung als Souvenir.

a)Wie banal wir doch alle denken.
Welche Dinge uns wichtig sind.
Man kann dann nichts verschenken,
wenn man giert wie ein hungriges Kind.

2) Was soll ein Kind von Eltern lernen, die selber keine Chance mehr sehn?
Die sich vom Bildschirm nur entfernen, um nach dem nächsten Bier zu gehn?
Sie träumen nicht mehr von den Fernen. Bei ihnen kann nichts mehr schief gehn
Wozu bewerben in Konzernen? Sie sind doch keine Koryphäen.

b)Ich melde mich jetzt traurig ab,
was immer mich zu brachte.
Ich seh auf niemanden herab,
ich geh ganz einfach sachte.

3) Und wie soll einer Arbeit schätzen, wenn er als Stütze so viel kriegt,
wie auf den billigen Arbeitsplätzen, die´s nur dann gibt, wenn einer fliegt?
Satte Beamte hör ich schwätzen, dass es an jedem selber liegt.
Ich hör die Sprüche mit Entsetzen, denn Ignoranz hat hier gesiegt.

instrumental

4)Was wirklich zählt, muss jeder wissen. Die meisten zählen auf das Geld.
Sie scheren sich nicht ums Gewissen, das gibt’s nicht in ihrer Welt.
Welch billige Prämissen: Einfach machen, was gefällt.
Moral kann nur vermissen, der nicht vor Geiz und Gier entstellt.

a)Wiederholung Refr. a)

b) Wie schamlos wir uns doch betrügen,
die wir den eignen Vorteil sehen.
Der Neid verleidet das Vergnügen,
Missgunst kann nicht widerstehen.

c)Wiederholung Refr. b)

Lass es nie vergehen

Dieser Sommer braucht nicht Wärme, dieser Sommer heizt die Lust.
Diese Wochen reifen Reben in der Hitze des August.
Liebend Paare zeugen Leben, seifen sich in wilder Wonne.
Frösche quaken in den Tümpeln, Anemonen tanken Sonne.

Deine weiche Haut verführt mich, duftet nach Melissenkraut.
Deine Lippen wirken sinnlich; fühlen uns wahnsinnig vertraut.
Dieses wunderbare Kribbeln, dieses irre Lustgefühl,
dieser Zauber, diese Freude, dieses Gliedmaßengewühl.

Liegen keuchend auf den Rücken, aalen uns in Seligkeit.
Streicheln unsre nassen Körper, denken nicht mehr an die Zeit.
Sind jetzt nur noch füreinander, für den liebsten Menschen da.
Wissen, dieses hier ist Wahrheit, und ganz fern ist Golgatha.

Lass es nie vergehen.
Lass es bleiben, lass es stehen.
Lass uns treiben, nicht zerreiben,
machen wir uns das Glück zueigen.
Lass uns übrigbleiben.
Wenn sie gehen, lass uns flehen,
dass Vergänglichkeit uns schone,
Liebe allem innewohne.
Lass uns solches Glück für immer, lass uns dieses Paradies.
Lass uns hier im Paradies.

Denke an die alte Laube hinterm Spielplatz in dem Garten,
die so ganz nach Kindheit roch und nach jahrelangem Warten.
Wie gefesselt war die Nase von dem Duft der vielen Dinge;
wo zum Schatz wurd jede Schraube, von denen ich auch heut noch singe.

Niemals werd ich es vergessen: Diesen ganz besondren Raum,
dieses Knirschen, dieses Knacken, den Schlag von Ästen aus dem Baum;
wie der staubige Pittiplatsch traurig an dem Balken hing,
ich ihn holte, sauber wischte und mit ihm nach Hause ging.

Nahm ihn abends in mein Bettchen, drückte ihn ganz fest an mich.
Gab ihm einen Gute-Nacht-Kuss, fühlte mich ganz ritterlich.
Oben flog das Raumschiff Wostok, neben mir schlief dieser Bub,
aus der Laube in dem Garten, mein ganz eigener Cherub.

Lass es nie vergehen…

Egon Emil

Einundfünfzig musste ich werden.
Und mir scheint es jetzt so, als sei das nicht viel.
Ich fühl mich als glücklichster Opa auf Erden,
denn mein Großer wurde Vater mit Egon Emil.

Johanna gebar gestern den Kleinen.
Und ich weiß, bei den Beiden ist nichts infantil.
Ich empfinde, wie sehr sie miteinander im Reinen.
Und das wird er wohl spüren, ihr Egon Emil.

Ich nahm ihn behutsam in meine Arme
und trug ihn und hielt ihn, damit er nicht fiel.
Er gluckste und schmatzte, und ich spürte das warme
Wesen bei mir, meinen Egon Emil.

Wie klein ist solch Baby, wie groß diese Freude,
wie hungrig dies Menschlein und wie grazil!
Der Kleine, er säugt, dass er ja nichts vergeude.
Mama Johanna stillt Egon Emil.

Und Julius, der Papa, ist ganz beflissen.
Er besorgte noch pünktlich ein Automobil:
Ein Kombi mit Stauraum und Airbag-Luftkissen.
Damit sie gut reisen mit Egon Emil.

Ach bitte beschützt ihn. Macht, dass er gedeihet,
dass ihn niemals verletzt irgendein Projektil,
dass er gesund bleibt und glücklich und ihr Euch nicht entzweiet,
Johanna und Julius und Egon Emil.




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